Barrierefrei & Abmahnung

Das Internet für alle? Das Impressum als Bild

Abmahnwahn, Abzocker im Netz abmahnopfer

Gesetze regeln das tägliche Leben. Gerde in unserer wundervollen Nation ist es schon immer so gewesen, dass selbst der Gang zum Klo durch irgendwelche Normen, Gesetze und Richtlinien klar definiert ist.

Es gibt jedoch auch gute Gesetze, wie unser Grundgesetz. Dort wurde jüngst der Artikel 3 im Absatz III ergänzt um einen wichtigen Zusatz. Artikel 3 III GG sagt unter anderem aus, Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Im Nachgang zu dieser Änderung regelt seit dem 01.05.2002 das Behindertengleichstellungsgesetz die Rechte der behinderten Menschen nun auch für die Informationsangebote im Internet. Es wird nun vom barrierefreien Internet geredet. Die Umsetzung ist zunächst nur für die öffentlichen Einrichtungen Zwingend und soll nach und nach erfolgen.

Blinde und sehbehinderte Menschen

So wird es einem blinden Menschen möglich sein, die Seiten seiner Heimatstadt mittels eines Sprachausgabeprogramms und einer Braille-Zeile zu ergründen. Eine Braille-Zeile stellt den Textinhalt einer Bildschirmseite als Blindenschriftsymbole auf einer Tastatur dar. Diese Tools jedoch sind nicht in der Lage, Bilder wieder zu geben. Der Inhalt eines Bildes stellt somit eine Barriere für blinde Sehbehinderte Menschen dar. Auch die Benutzung des ALT-Tags bringt diese Surfer nicht näher an den Inhalt des Bildes. Diese bleiben für sie unzugänglich. Für sie müssten an dieser Stelle bereits die vollständigen Informationen stehen. Als Text.

Dieser Umstand aber ruft wieder die Zunft der Winkeladvokaten auf den Plan. Bietet doch ein als Bild dargestelltes Impressum eine unüberwindbare Barriere für blinde und sehbehinderte Menschen. Der Gesetzgeber regelt mit dem § 6 TDG den genauen Inhalt und die ständige Verfügbarkeit der Daten. Somit wird die Möglichkeit die das Impressumbild bietet, nämlich den Schutz vor Harvestern und Spambots, zum Bumerang und bietet dem gelangweilten Anwälten eine neue Möglichkeit, Websitebetreibern das Tagesgeschäft mit einer Abmahnung wegen Verstoß gegen den § 6 TDG zu versauen.

Abmahnungen

Sprechen wir hier aber einmal in Zahlen. In Deutschland surfen rund 37 Mio. Internetnutzer durch das WEB. Das sind rund 55 – 57% aller Bürger über 14 Jahren. Dem gegenüber stehen etwa 150.000 blinde und rund 500.000 sehbehinderte Menschen. Wenn davon rund 50% das Internet nutzen haben wir etwa 325.000 Menschen, welche ein als Bild dargestelltes Impressum nicht lesen können. Das ist etwas weniger als 1% der Internetnutzer in Deutschland.

Ich unterstütze klar die Bedürfnisse der Surfer, welche mit eingeschränkter Wahrnehmung durch das Internet Surfen. Die moderne Informationstechnik sollte auf keinen Fall irgendeiner Gruppe vorenthalten bleiben. Dennoch stelle ich mir die Frage, ob ich für 1% der Besucher meiner Seite das Impressum als Text ablege und dafür wieder Spam kassiere? Ich denke nein.

Das Impressum, die Anbieterkennung.

Immer wieder ein gern genutzter Anlaufpunkt für viele teure Abmahnungen. Mit dem aktuellen Urteil I ZR 228/03 hat das BGH den Abmahngeiern einen gewaltigen Riegel vor die Kasse geschoben. Man darf sehr gespannt sein ob es neue Abmahnungen geben wird. Schließlich gibt es fast 150.000 Anwälte in Deutschland, die Beschäftigt werden wollen.

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